Am Exer wechselt eine Tischlerei den Besitzer. Frank Bösche verabschiedet sich in den Ruhestand und macht den Weg frei für Marco Schmidt.
Wolfenbüttel. Manchmal passt es einfach. Als sich Frank Bösche und Marco Schmidt zum ersten Mal über eine Geschäftsübergabe unterhielten, war schnell klar: Die beiden Tischlermeister verstanden sich prächtig. Somit stand nichts mehr dem Plan im Wege, den Generationswechsel bei ,fb tischlerei & design' einzuleiten.
"Zumindest nicht mehr viel", erzählen die beiden im Gespräch. Selbstverständlich mussten noch Unterlagen beschafft und Genehmigungen eingeholt werden. Und auch eine Bank musste mit ins Boot. Doch der alte Chef aus Wolfenbüttel und der neue aus Ilsenburg standen das gemeinsam durch. "Wir waren gut vorbereitet durch die lange Suche nach einem geeigneten Nachfolger auf der einen und der langen Suche nach einem geeigneten Unternehmen auf der anderen Seite." Gefunden haben sich die beiden über die Nachfolge-Homepage des Wirtschaftsministeriums: Nexxt-Change.org."
Die Übergabe ging umso reibungsloser vonstatten, als sich der 63-jährige Bösche bereit erklärte, seinem 49 Jahre alten Nachfolger noch für ein Jahr im Betrieb zur Seite zu stehen. "Das ist gut für die Kunden und die Mitarbeiter", sind sich beide einig. "Und die Bank hat es auch begrüßt." Somit war es ein ausgesprochen harmonischer Übergang der Firma am Exer 25, in der neben dem Chef zwei weitere, angestellte Meister sowie vier Gesellen und ein Lehrling arbeiten. Die Anfrage für Praktika und einen Ausbildungsplatz ist enorm. "Ein weiterer Lehrling steht für das kommende Ausbildungsjahr bereit."
Das Geschäftsmodell steht auf festen Füßen. "Möbeltischlereien sind immer seltener geworden. Wir haben viele Stammkunden aus einem Gebiet zwischen Wolfsburg und Hannover, Gifhorn und dem Harz." Vor allem der Schritt in den kreativen Bereich der Tischlerei zahlte sich für Frank Bösche aus. "Unsere Arbeiten wurden von Kunden in deren Bekanntenkreis stets weiterempfohlen." Die individuellen Lösungen kommen offenbar an. "Schon lange kann man bei uns am Computer eine 3D-Raumbegehung mit den geplanten Möbeln erleben – das ist ein professionelles Alleinstellungsmerkmal."
Das Leben der beiden Chefs hat sich durch die Übergabe schon geändert. Marco Schmidt musste seinen Arbeitsrhythmus deutlich umstellen. "Ich sitze abends natürlich viel länger im Betrieb." Ehefrau und Kinder mussten sich ebenfalls umgewöhnen. Frank Bösche hingegen hat nun mehr Zeit für Ehefrau, Kinder, Enkel und Urlaub. "Außerdem freue ich mich, nicht mehr für alles allein verantwortlich zu sein."
Gleichwohl fiel ihm der Abschied nicht leicht. "Ich habe mit all dem vor 20 Jahren bei Null angefangen – da macht das Abgeben schon traurig, manchmal bin ich doch etwas angefasst." Was beide Tischler eint: "Unsere Frauen haben uns in unserer Entwicklung sehr geholfen." Bösches Frau hielt ihm stets den Rücken frei, als er den Betrieb mit Sonderschichten ins Laufen brachte. "Und meine Frau hat mich motiviert, den Schritt in die Selbständigkeit zu machen", erzählt Marco Schmidt. "Einfach mit der Formel: Du kannst mehr." Und es gibt eine weitere Gemeinsamkeit: Beide Meister wissen, wie wichtig gutes Personal ist. "Die fb-Tischlerei kann absolut stolz darauf sein, wie groß die Verbundenheit im Team ist. Diese Treue der Mitarbeiter ist nicht selbstverständlich."
Nun ist also Marco Schmidt Chef in der großen Halle Am Exer 25, wo es auf 550 Quadratmetern Werkstatt, Büro und einige Ausstellungsstücke gibt. Zudem mietete ,fb tischlerei & design' kürzlich eine weitere Halle in direkter Nachbarschaft an. "Dort werden neben mehr Lagerfläche auch noch die Bauelemente in einer gesonderten Ausstellung präsentiert", erzählt der Ilsenburger stolz. Überhaupt ist er von der Situation auf dem ehemaligen Kasernengelände sehr angetan. "Gerade durch die Außenarbeiten der vergangenen Monate wurde alles sehr hübsch hergerichtet", betont er. Zudem seien Lieferanten und Kunden immer wieder überrascht, wie großzügig und verkehrsgünstig der Exer liege.
"Das TIW freut sich über den reibungslosen Übergang und betont, dass es immer sehr erfreulich ist, wenn eine Erfolgsgeschichte fortgeschrieben werden kann", betont Carola Weitner-Kehl. Die Geschäftsführerin des Technischen Innovationszentrums unterstützt als Vermieterin den Übergang und die Fortführung der Firma. "Das gesamte TIW-Team wünscht Herrn Schmidt bei der Fortführung des Unternehmens alles Gute und viel Erfolg – wir freuen uns auf eine weiterhin gute Zusammenarbeit."



